Sexualisierte Gewalt findet nicht nur im familiären Kontext statt. Auch in Einrichtungen, Verbänden und Organisationen, wo Kindern und Jugendlichen Förderung und Unterstützung zuteilwerden sollte, kann es zu Macht- und Vertrauensmissbrauch kommen. Daher haben sich die DRK-Gliederungen auf den Weg gemacht, Schutzkonzepte für Einrichtungen und den Verband zu entwickeln und Maßnahmen der Prävention und Intervention umzusetzen.

Seit Juni 2012 gelten im DRK verbindliche „Standards zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen in den Gemeinschaften, Einrichtungen, Angeboten und Diensten des DRK“ 

Standard 1: Konzeption zur Prävention und Intervention
Standard 2: Kenntnisse und Wissenserwerb
Standard 3: Verhaltenskodex und Selbstverpflichtung
Standard 4: Erweitertes Führungszeugnis
Standars 5: Beteiligung
Standard 6: Beschwerdemanagement und Vertrauenspersonen
Standard 7: Verbandsinterne Strukturen
Standard 8: Verfahrensweise bei sexualisierter Gewalt

Konzeption - Standard 1

In allen Gliederungen (Landesverband, Bezirksverband, Kreisverband, Ortsverein, Schwesternschaften) des DRK, in den Einrichtungen und in den Diensten, die mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen arbeiten, liegt eine Konzeption zur Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt durch hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter_innen sowie ehrenamtlich Aktive vor.

Die Konzeption des DRK-Landesverbandes Badisches Rotes Kreuz e.V. ist aktuell in Bearbeitung. Für Kindertageseinrichtungen hat der DRK-Bundesverband eine Musterkonzeption erstellt.

Kenntnisse und Wissenserwerb - Standard 2

Der DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e. V. bietet für seine Gliederungen Informationsveranstaltungen und Workshops zum Themenkomplex „sexualisierte Gewalt“ an. Ziel ist es, alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen zu diesem Thema zu schulen und zu sensibilisieren. Bei Anfragen hierzu wenden Sie sich bitte an unseren Mitarbeiter Andreas Formella. 

Für das Jugendrotkreuz (JRK) stehen Materialien zu den Themen Grundlagen zu sexualisierter Gewalt, Einführung eines Verhaltenskodex, Gestaltung von Gruppenstunden und Ferienfreizeiten, Umgang mit Beschwerden/Vermutungen/Vorfällen zur Verfügung.

Als Nachfolgeprodukt von "Gemeinsam stark sein" -eine Methodenbox, die das Jugendrotkreuz im Landesverband Nordrhein gemeinsam mit der Beratungsstelle Sag´s e.V. aus Langenfeld 2009 entwickelt hat- ist im DRK-Landesverband Nordrhein e.V. die Methodentasche "100% ICH" zur Prävention sexualisierter Gewalt entstanden. In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz in Köln (AJS) wurde sie Anfang 2015 in der ersten Auflage produziert und wird sowohl in Kindergärten, Schulen als auch in Jugendverbänden und weiteren Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe eingesetzt. Die Methodentasche "100% ICH" setzt durch Übungen und Spiele bei der (Selbstwert-)Stärkung von Kindern und Jugendlichen an. Die spielerische Auseinandersetzung mit den Themen "Meine Gefühle", "Mein Körper", "Meine Werte", "Meine Grenzen" und "Ich brauche dich!" stellt eine hohe Kompetenzerweiterung dar. Die Methodentasche richtet sich an pädagogische Fachkräfte und an zum Thema fortgebildete Multiplikator_innen, die langfristig mit Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen bis 16 Jahren arbei

Selbstverpflichtung / Verhaltenskodex - Standard 3

Klare Regelungen (Verhaltenskodex) und transparente Strukturen tragen zur Überwindung der Sprachlosigkeit und der Unsicherheit im Umgang mit sexualisierter Gewalt bei, Selbstverpflichtungen geben Orientierung und Handlungssicherheit. Fachlich angemessene Verhaltensweisen sind darin festgelegt und die Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber dem Thema wird verdeutlicht. Betroffenen und Dritten wird es erleichtert, Grenzverletzungen zu benennen, sich Hilfe zu holen und somit auch sexualisierten Übergriffen und sexuellem Missbrauch Einhalt zu gebieten. Potentiellen Täter_innen wird verdeutlicht, dass auf mögliche sexuelle Übergriffe und Grenzverletzungen geachtet wird.

Mustervorlagen sind im Register Downloads hinterlegt.


Schutz vor sexualisierter Gewalt

Erweitertes Führungszeugnis - Standard 4

Der „Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen“ nach § 72a SGB VIII wurde als ein wichtiger Bestandteil im Bundeskinderschutzgesetz festgeschrieben. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen hat sich auch das DRK in seinen Standards verpflichtet, nur Personen beschäftigen zu wollen, die dazu persönlich geeignet sind:

Standard 4:
Alle haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter_innen, die im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen, legen zu Beginn ihrer Tätigkeit und mindestens alle 5 Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vor.

Die bundeseinheitliche Regelung für ehrenamtliche Mitglieder lautet gemäß Präsidiums- und Präsidialratsbeschluss von 2013 wie folgt: „Ehrenamtliche Mitarbeiter_innen der Rotkreuzgemeinschaften Bereitschaften, Bergwacht, Wasserwacht und Wohlfahrts- und Sozialarbeit legen zu Beginn ihrer Tätigkeit und mindestens alle 5 Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vor, sofern sie regelmäßig Kinder und Jugendliche betreuen, beaufsichtigen, pädagogisch bilden und ausbilden oder eine klare Funktion und Aufgabe haben, die in vergleichbarer Weise geeignet ist, Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen. Auf örtlicher Ebene erfolgt eine Prüfung gemäß der Kriterien des Deutschen Vereins, ob aufgrund der Art, der Intensität und Dauer des Kontaktes zu Kindern und Jugendlichen die Einsicht in das erweiterte Führungszeugnis erforderlich ist. In Wahrnehmung von ehrenamtlichen Tätigkeiten bei Trägern der freien Jugendhilfe (Jugendrotkreuz) erfolgt gemäß Bundeskinderschutzgesetz (SGB VIII, §72a, Absatz (4)) die Regelung (vor Ort) zur Vorlage erweiterter Führungszeugnisse durch Vereinbarungen mit den öffentlichen Jugendhilfeträgern. Dabei sollten bei den entsprechenden Verhandlungen und Gesprächen die Empfehlungen des Deutschen Vereins sowie die Arbeitshilfe des Deutschen Bundesjugendringes als Argumentationshilfen genutzt und in die Jugendhilfeausschüsse eingebracht werden.“

Eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit dem erweiterten Führungszeugnis bei Neben-und Ehrenamtlichen und weitere Materialien sind im Register Downloads hinterlegt.

Beteiligung - Standard 5 

Für alle Kontakte mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen ist verbindlich festgelegt, wie diese in geeigneter Weise bei allen sie betreffenden Entscheidungen gehört und ihre Meinung berücksichtigt werden. Die Beteiligungsrechte und wie sie eingefordert werden können, werden zu Beginn des Kontaktes und im weiteren Verlauf zielgruppengerecht kommuniziert.

Beschwerden & Vertrauenspersonen - Standard 6

Im DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e.V. sind Vertrauenspersonen berufen zum Schutz des Kindeswohls und zur Prävention von sexualisierter Gewalt. Jeder Mensch in unserem Verband kann sie ansprechen, wenn ihm am Verhalten eines Kindes, eines Jugendlichen, eines behinderten Menschen, einer Betreuer_in oder einer Mitarbeiter_in etwas aufgefallen ist, das nachdenklich stimmt. Den Vertrauenspersonen kann man all das sagen, was man beobachtet oder von anderen gehört hat, ohne gleich „offiziell“ ein Amt oder eine Behörde einzuschalten. Sie hören zu und wenn es erforderlich ist, stellen sie auch einen Kontakt zu einer Fachberatungsstelle, zum Jugendamt oder zur Polizei her. Denn dort sorgen geschulte Fachkräfte für eine vertrauliche Beratung und eine fachkundige Hilfe. Wer sich direkt an eine Beratungsstelle oder eine Behörde richten möchte, kann das selbstverständlich auch tun. Die Vertrauenspersonen sind mögliche erste Ansprechpartner, um Hilfesuchenden den Weg zu erleichtern und sie zu begleiten.

Der Bundesverband hat Handlungsempfehlungen für den hauptberuflichen Arbeitsbereich erstellt. Diese sind im Register Downloads hinterlegt.

Ansprechpartnerin und Vertrauensperson im Landesverband ist aktuell Annette Mader, E-Mail: Annette.Mader(at)drk-baden.de, Tel.: 0761 88336-120

Verbandsinterne Strukturen - Standard 7

Jeder Landesverband bzw. der Verband der Schwesternschaften und der Bundesverband benennt eine hauptamtliche Person, die auf dem Gebiet der Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt über nachweisliche Kenntnisse verfügt. Diese Person prüft, auf welchen Ebenen ein Netzwerk von Vertrauenspersonen für den haupt- und/oder ehrenamtlichen Bereich notwendig ist, und implementiert dies.

 

Im DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e.V. ist aktuell Annette Mader, E-Mail: Annette.Mader(at)drk-baden.de , Tel.: 0761 88336-600 für diese Aufgabe benannt. 

Verfahrensweise bei sexualisierter Gewalt - Standard 8

Alle Gliederungen, Einrichtungen und Dienste, die mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen arbeiten, haben eine verbindliche Verfahrensweise festgelegt, wie sie eine Beschwerde, eine Vermutung oder einen begründeten Verdacht auf sexualisierte Gewalt abklären und darauf oder auf einen Übergriff fachlich angemessen reagieren.

Ein Verfahrensvorschlag des DRK-Bundesverbandes ist erstellt (siehe Register Doownloads). Die Verfahrensweisen des DRK-Landesverbandes Badisches Rotes Kreuz e.V. bei Beschwerden, Vermutungen und Vorfällen von sexualisierter Gewalt sind aktuell in Bearbeitung.

Hilfen für Betroffene

Grenzüberschreitungen, Übergriffe und sexueller Missbrauch können langfristige Folgen haben, wenn Unterstützung und Beratung ausbleiben. Betroffene Kinder und Erwachsene, ihre Angehörigen und andere Menschen, die sie unterstützen wollen, brauchen kompetente, vertrauliche, schnell und leicht zugängliche Hilfe. Mit ihren Beschwerden, Vermutungen oder konkreten Vorfällen von sexualisierter Gewalt können sich Menschen an die Vertrauenspersonen (siehe auch: Beschwerden und Vertrauenspersonen – Standard 6) im DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e.V. wenden.

Ansprechpartnerin Annette Mader, E-Mail: Annette.Mader(at)drk-baden.de, Tel.: 0761/88336-120

Eine Liste mit regionalen Fachberatungsstellen (siehe: Links und Downloads) haben die Sportjugend und der Landesjugendring Baden-Württemberg erstellt.

Auf Basis der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch wurde ab 2011 das Ergänzende Hilfesystem (EHS) entwickelt. Es soll die Aufgabe haben, noch andauernde Belastungen als Folgewirkung des Missbrauchs auszugleichen bzw. zu mildern. Zur Umsetzung kam ab 1. Mai 2013 für die Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch im familiären und institutionellen Bereich der Fonds Sexueller Missbrauch: www.fonds-missbrauch.de. Aus Mitteln des Fonds können Betroffene Sachleistungen bis zum 30. April 2016 beantragen. Nähere Informationen gibt es telefonisch unter der kostenlosen und anonymisierten Infotelefonnummer 0800 4001050.http://www.fonds-missbrauch.de/fileadmin/content/Flyer_FSM_3.Auflage_barrierefrei.pdf

Downloads

Bei Fragen zu Maßnahmen der Prävention und Intervention im DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e.V. und seinen Gliederungen klicken Sie sich durch die einzelnen Themen in den Reitern oder wenden sich an unsere Mitarbeiterin Annette Mader, E-Mail: Annette.Mader(at)drk-baden.de oder Tel.: 0761 88336-120.

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